Husky braucht Hilfe

Wilhelm "Husky" Linz, Tierfreund, Indianerexperte und Frechener Original braucht dringend Hilfe. Der 75-Jährige ist schwer krank und haust unter menschenunwürdigen Verhältnissen in einer kleinen Holzhütte.

von Lars Kindermann 

Buschbell. Was macht eigentlich der "Husky"? Diese Frage beschäftigte mich seit einigen Monaten. Seit Beginn meiner Laufbahn als Lokaljournalist begleite ich das Engagement und die Projekte des positiv-verrückten Wilhelm "Husky" Linz.
Ob als Falkner, der sich um verletzte Greifvögel kümmert und mit seinem Steinadler "Donnervogel" Schulen und Kindergärten besucht, als Indianerexperte, der regelmäßig amerikanische Ureinwohner empfängt, oder als Trike-Bastler, dessen dreirädrige Kreationen sogar von reichen Ölscheichs geordert wurden.
Unzählige Male habe ich den "Husky" in seiner kleinen Westernstadt mit Greifvogelschutzstation in Buschbell besucht. Aber nicht nur die Redaktion von Wochenende und SonntagsPost ging dort ein und aus, auch der WDR, RTL und große Boulevard- und Tageszeitungen berichteten über das Tun des heute 75-Jährigen.
Doch dann plötzlich: Funkstille. Kein: "Lars, ich hab da mal was, komm doch mal vorbei!" oder "Wäre das was für dich?" mehr. Also mache ich mich auf den Weg und schaue auf seinem Gelände nach ihm. Was ich dort sehe und erlebe, berührt und schockiert mich zutiefst!
Die einst beeindruckende indianische Tanzhalle ist eingestürzt, die Volieren sind leer, den Weg säumen verrottende Wohnwagen, Lagerschuppen und wild verstreuter Unrat. Aus einer der vielen verfallenen Hütten steigt dicker Rauch auf, und aus dem dunklen, verqualmten Raum höre ich "Husky" fluchen.
Ein Blick ins Innere zeigt einen von Schlaganfall, Nierensteinen und fünf Bandscheibenvorfällen schwer gezeichneten Mann. Kaum vorstellbar, dass die gleiche Person noch vor wenigen Jahren - etwa beim Tag der offenen Tür - in Indianerkluft wie wild durch seine Tanzhalle hüpfte und den begeisterten Kindern zeigte, wie man Messer und Tomahawks wirft.
Groß war Husky zwar noch nie - aber immer ein Bündel voller Energie und Tatendrang. Das war wohl auch der Grund dafür, dass ihn seine Kumpels "Zündhütche" nannten.
Doch diese Energie ist jetzt verflogen. Vor mir steht ein kleiner, verletzlicher, alter Mann, dem Schmerzen und Trauer ins Gesicht gemeißelt sind.
"Dieser Zweig ist gebrochen", schießt es mir durch den Kopf, denn ich erinnere mich an ein Zusammentreffen vor vielen Jahren. Ich fragte ihn damals: "Was fasziniert dich so an den Indianern?" Er antwortete: "Die Indianer sind ein extrem sozial eingestelltes Volk. Sie wussten schon immer, dass man nur in der Gruppe überleben kann. Ein einzelner Zweig bricht leicht, aber ein Bündel von Zweigen ist stark und unnachgiebig. Soll heißen: Nur gemeinsam sind wir stark! Das hat mich schon sehr früh beeindruckt!"
Doch von der großen Gemeinschaft ist hier auf dem Gelände nicht mehr viel übrig geblieben. Wo sind all die vielen Gefährten hin, die ich hier früher immer angetroffen habe? Die Street-Indians mit ihren Trikes, die Indianer und Wild-West-Fans, die Greifvogel-Experten? Und überhaupt, wo sind die ganzen Falken, Rotschwanzbussarde, Uhus und Eulen hin?
"Alles verkauft", sagt Husky. "Ich muss ja von was leben!" Die gesundgepflegten Bussarde und Turmfalken hat er in die Freiheit entlassen. Abends kreisen sie immer noch über dem Gelände, in der Hoffnung, dass der Tierfreund ihnen etwas zum Fressen hinwirft. Doch Geld für Futter hat er schon lange nicht mehr. Die flugunfähigen Tiere, um die sich Husky ehrenamtlich kümmerte, wurden eingeschläfert. "Vom Kreisveterinäramt! Die hatten kein Recht dazu, das hat mich sehr traurig gemacht", erzählt Husky, und seine Stimme bricht.
Tränen schießen ihm aber erst in die Augen, als er berichtet, dass er sich auch von seinem "Donnervogel" verabschieden muss: "Der geht morgen weg!" 600 Euro bekommt er für den mächtigen Steinadler, der ihn 25 Jahre lang überall hin begleitete und mit dem er sich immer wieder gerne ablichten ließ. Er wird zukünftig in einer Greifvogelschutzstation in Rösrath versorgt.
Alles, was Husky geblieben ist, sind seine Westernhütten - vollgestopft mit Wild-West und Indianerdevotionalien. Und in einer dieser Hütten lebt er jetzt. "So wie einst die Trapper", sagt er und stochert in dem qualmenden Küchenofen herum, der das windschiefe Gebäude heizt.
Dass er hier überhaupt noch leben kann, verdankt er Dominik Faßbender und Klaus Müller. Die beiden schauen regelmäßig nach ihm, hacken Holz, gehen mit ihm einkaufen und räumen etwas auf. "Wir helfen so gut wir können", erklärt der 23-jährige Dominik und stellt klar: "Aber Husky muss hier ganz dringend raus!"
Eine Pflegestufe wurde beantragt und abgelehnt. Aktuell erhält er monatlich 521 Euro. "Ich brauche nur ein einfaches Zimmer mit Kochnische und einem richtigen Bad", sagt Husky und hofft, dass sich auf diesem Weg jetzt Menschen finden, die ihm "irgendwie helfen" können. "Und wir brauchen auch dringend einen vernünftigen Arzt, der dir mit deinem Rücken hilft", ergänzt Dominik Faßbender.
Jetzt wird es sich zeigen, was Frechen bereit ist, für eines seiner echten "Originale" zu tun. Husky hat Generationen von Schülern die Natur und die Kultur der nordamerikanischen Indianer näher gebracht, hat uns alle auf sein Grundstück eingeladen und Farbe in das Frechener Leben gebracht. Jetzt braucht Husky ganz dringend Hilfe.

Wer Wilhelm "Husky" Linz helfen möchte, kann eine E-Mail mit seinen Kontaktdaten und Vorschlägen schicken an: husky-braucht-hilfe@web.de

Foto: Lars Kindermann

Spendenkonto für Husky Linz

Frechen (lk). Viele Menschen wollen Wilhelm "Husky" Linz mit Geldspenden helfen. Daher hat sich das Mehrgenerationenhaus "Oase" - nach Anfrage von SonntagsPost und Wochenende - bereit erklärt, ein Spendenkonto für das - in Not geratene - Frechener Original einzurichten. »

Letzte Änderung: Donnerstag, 28.01.2016 16:51 Uhr

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