Dünnwald (ac). "Die braune Suppe, die gerade hochkocht, dabei erschrickt man", empört sich Theo Esser. An ein Dünnwalder Opfer der Naziideologie, seinen Großvater Theodor Esser, erinnert jetzt ein "Stolperstein" des Künstlers Gunter Demnig.
Ein Besuch bei der Familie Esser ist eine Lektion in
mündlich überlieferter Geschichte: "Er wurde so oft
abgeholt, dass alle dachten, er hätte etwas getan",
erinnert sich Theo Esser, der noch immer im selben Haus am
Dünnwalder Mauspfad wohnt. Ein unbequemer, eigensinniger und
couragierter Zeitgenosse muss sein Großvater Theodor Esser
wohl gewesen sein. Er stammte, so erinnern sich seine Nachkommen,
aus bescheidenen Verhältnissen in Leverkusen, stand der
Arbeiterbewegung und dem Freien Ortskartell Dünnwald nahe und
hatte mit der Kirche nicht viel am Hut, Traditionen, die bei seinen
Nachkommen weiterlebten. "Meine Eltern waren ebenfalls
Freidenker, in der Schule hat man uns dafür
drangsaliert", erinnert sich sein Enkel, Jahrgang 1938.
Theodor Esser verweigerte den Kriegsdienst, berichtet seine Enkelin
Anna Hemrich. "Wir sollten keine Tiere im Haus halten, weil
mein Großvater sagte 'Jedes Lebewesen braucht seine
Freiheit'". Vielleicht sprach Theodor Esser aus Erfahrung,
denn selber wurde er bereits 1935 wegen angeblichen
"Hochverrats" zu zwei Jahren und vier Monaten
Zuchthaus verurteilt, die er in Siegburg absaß.
Gebrochen hat ihn diese Erfahrung offenbar nicht: "Er war
bekannt, und er stand zu seiner Sache", weiß Anne
Hemrich. Trotz dieser Erfahrung schlug er eine Warnung in den Wind:
"Worüm soll ich mich verstecke, ich han doch nix
gedonn", erwiderte er 1944 nach Auskunft seiner Familie, als
ihn ein Nachbar warnte. Dieser Nachbar galt als überzeugter
Nazi, aber offenbar zählte das
Zusammengehörigkeitsgefühl in Dünnwald in diesem
Fall mehr. 1944 wurde der Vater von sechs Kindern
"abgeholt", seine letzte Spur führt ins
Konzentrationslager Flossenbürg, wo er im März 1945
starb.
"Wenn Dir irgendjemand in Dünnwald erzählt, er
hätte nichts gewusst, dann tritt ihn in den A....", bekam
Essers Urenkelin Brigitte Fest noch als Jugendliche von Essers
Sohn, ihrem Großvater zu hören. Von der Enkelin Peter
Baums, eines weiteren Widerstandskämpfers aus Dünnwald,
an den heute ein Straßenschild erinnert (der KWS berichtete),
erfuhr sie von der Möglichkeit, einen Stolperstein beim
Künstler Gunter Demnig zu bestellen der damit an Verfolgte des
Naziregimes erinnert. Den Nachweis seiner Verfolgung erbrachten
Dokumente: " Der Verstorbene Theodor Esser wird als Verfolgter
der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft anerkannt",
heißt es in einem Dokument, das der Kreisanerkennungsausschuss
seiner Witwe 1953 ausstellte. Erst 1959 erhielten seine
Angehörigen eine offizielle Sterbeurkunde.
weitere Informationen unter www.Stolpersteine.com



