Stolperstein für Dünnwalder Nazigegner

Theodor Esser starb im März 1945 im Vernichtungslager Flossenbürg

Dünnwald (ac). "Die braune Suppe, die gerade hochkocht, dabei erschrickt man", empört sich Theo Esser. An ein Dünnwalder Opfer der Naziideologie, seinen Großvater Theodor Esser, erinnert jetzt ein "Stolperstein" des Künstlers Gunter Demnig. 

Ein Besuch bei der Familie Esser ist eine Lektion in mündlich überlieferter Geschichte: "Er wurde so oft abgeholt, dass alle dachten, er hätte etwas getan", erinnert sich Theo Esser, der noch immer im selben Haus am Dünnwalder Mauspfad wohnt. Ein unbequemer, eigensinniger und couragierter Zeitgenosse muss sein Großvater Theodor Esser wohl gewesen sein. Er stammte, so erinnern sich seine Nachkommen, aus bescheidenen Verhältnissen in Leverkusen, stand der Arbeiterbewegung und dem Freien Ortskartell Dünnwald nahe und hatte mit der Kirche nicht viel am Hut, Traditionen, die bei seinen Nachkommen weiterlebten. "Meine Eltern waren ebenfalls Freidenker, in der Schule hat man uns dafür drangsaliert", erinnert sich sein Enkel, Jahrgang 1938.
Theodor Esser verweigerte den Kriegsdienst, berichtet seine Enkelin Anna Hemrich. "Wir sollten keine Tiere im Haus halten, weil mein Großvater sagte 'Jedes Lebewesen braucht seine Freiheit'". Vielleicht sprach Theodor Esser aus Erfahrung, denn selber wurde er bereits 1935 wegen angeblichen "Hoch­verrats" zu zwei Jahren und vier Monaten Zuchthaus verurteilt, die er in Siegburg absaß.
Gebrochen hat ihn diese Erfahrung offenbar nicht: "Er war bekannt, und er stand zu seiner Sache", weiß Anne Hemrich. Trotz dieser Erfahrung schlug er eine Warnung in den Wind: "Worüm soll ich mich verstecke, ich han doch nix gedonn", erwiderte er 1944 nach Auskunft seiner Familie, als ihn ein Nachbar warnte. Dieser Nachbar galt als überzeugter Nazi, aber offenbar zählte das Zusammengehörigkeitsgefühl in Dünnwald in diesem Fall mehr. 1944 wurde der Vater von sechs Kindern "abgeholt", seine letzte Spur führt ins Konzentrationslager Flossenbürg, wo er im März 1945 starb.
"Wenn Dir irgendjemand in Dünnwald erzählt, er hätte nichts gewusst, dann tritt ihn in den A....", bekam Essers Urenkelin Brigitte Fest noch als Jugendliche von Essers Sohn, ihrem Großvater zu hören. Von der Enkelin Peter Baums, eines weiteren Widerstandskämpfers aus Dünnwald, an den heute ein Straßenschild erinnert (der KWS berichtete), erfuhr sie von der Möglichkeit, einen Stolperstein beim Künstler Gunter Demnig zu bestellen der damit an Verfolgte des Naziregimes erinnert. Den Nachweis seiner Verfolgung erbrachten Dokumente: " Der Verstorbene Theodor Esser wird als Verfolgter der nationalsozialistischen Gewalt­herrschaft anerkannt", heißt es in einem Dokument, das der Kreisanerkennungsausschuss seiner Witwe 1953 ausstellte. Erst 1959 erhielten seine Angehörigen eine offizielle Sterbeurkunde.
weitere Informationen unter www.Stolpersteine.com

Letzte Änderung: Freitag, 09.12.2011 16:01 Uhr

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