Dellbrück (ac). Es begann mit einem Trödelmarkt, auf dem ein Bekannter Heribert Wüstenberg, Vorsitzender des "RadioMuseum Köln e.V.", einen alten Karnevalsorden der "Radioten" zeigte (der KWS berichtete). Wüstenberg versuchte daraufhin, mehr über den Karnevalsverein Kölner Radio- und Fernsehtechniker zu erfahren.
Auf seinen Suchaufruf im KWS meldeten sich 2010 mehrere
ehemalige Mitglieder und deren Verwandte, die zum mittlerweile
zweiten Mal im Radiomuseum zusammenkamen, um Erinnerungen
auszutauschen und Wüstenberg neues Material zu geben. "In
guten Jahren verkauften wir etwa 1.000 Karten für unsere
Sitzungen", erinnert sich Herbert Hein, der vier Jahre lang
Literat der "Radioten" war. Einmal nahm man mit Wagen und
Fußgruppe am Rosenmontagszug teil, außerhalb der Session
gab es gemeinsame Ausflüge und den monatlichenStammtisch im
damaligenLokal "Salzrümpfchen" am Barbarossaplatz.
Weil viele Rundfunkfirmen den Verein sponsorten, konnten sich die
Radioten die Spitzenkräfte für ihre Sitzungen leisten.
Hein erinnert sich an die ersten Auftritte der "Bläck
Fööss", als sie noch barfuß auf der Bühne
standen.
Die Branche boomte in den fünfziger und sechziger Jahren,
ähnlich wie später die PCund Internetbranche. "Wenn
damals der Fernseher kaputt ging, war das für die Leute
richtig schlimm", erinnert sich auch Josef Althaus an seine
"Wochenend-Notdienste", um Schäden am "besten
Stück" schnell zu beheben. 1987 löste sich der
Verein auf, Hein erinnert sich, dass vor allem das Fernsehen dem
traditionellen Sitzungsprogramm Konkurrenz machte. Diese
persönlichen Erinnerungen kann Wüstenberg mittlerweile
mit Material untermauern, darunter Skurriles: Eine ehemalige
Garderobenfrau aus dem Börsensaal hatte ihre alten
Einsatzpläne noch und konnte so alle Sitzungstermine der
"Radioten" dort rekonstruieren.
In einem Bilderrahmen fand sich hinter einem alten Foto eines
Mitglieds auch eine alte Vereinsurkunde. Auch alle Orden der Jahre
1952 bis 1987, mit Ausnahme des Jahres 1953, kann das Radiomuseum
mittlerweile sein Eigen nennen.
Die Motive sind ein Stück Technikgeschichte: Langhaarige Lehrlinge zieren einen Orden aus den 70er Jahren,CD und PC Schmückstücke der 80er Jahre. Da viele Orden mittlerweile doppelt und dreifach im Museumsbesitz sind, können Wüstenberg und Mitstreiter mittlerweile sogar dem Karnevalsmuseum einen Satz zur Verfügung stellen, der in einer eigenen Vitrine ausgestellt werden soll. "Claudia Teichner hat angekündigt, dass das Karnevalsmuseum sich mit einer Exclusiv-Führung revanchieren wird", freut sich Wüstenberg. Wüstenberg sucht Sponsoren für die Dokumentation. Wer noch Material oder Erinnerungen beisteuern kann, wird ebenfalls gebeten, sich bei Wüstenberg unter Telefon 0221/ 409500 zu melden.


