Buchforst (ac). Die politischen Beschlüsse für den Bau der Hubschrauberstation auf der ehemaligen Industriemülldeponie "Kalkberg" stehen. Die Bürger haben sich mit der Errichtung jedoch noch nicht restlos abgefunden, wie an Aktionen wie der Anbringung des Schriftzugs "www.kalkberg.org" auf dem Hügel mit Schauseite zur Autobahn zeigte.
Die Lokalpolitik steht jedoch mehrheitlich hinter der
Errichtung. "Es wäre mir lieber gewesen, wenn der
Hubschrauber in Merheim hätte bleiben können", so
Norbert Fuchs, Bezirksbürgermeister von Mülheim, dessen
Fraktion für die entsprechende Beschlussvorlage gestimmt
hatte, ebenso wie die FDP. "Aber der Rat hat es so
entschieden, jetzt muss man sehen, dass die Maßnahmen zum
Lärmschutz und anderem, die der Stadtdirektorversprochen hat,
umgesetzt werden." Die Bezirksvertretunghatte die Vorlage des
Rates mit den Stimmen von SPD und FDP, gegen die CDU und mit
Enthaltung von Bündnis 90/ die Grünen, beschlossen.
FDP-Fraktionsvorsitzender Torsten Tücks räumt zwar ein,
man hätte die Einwände der Gegner sehr ernst genommen,
sieht aber keinen Alternativstandort zum Kalkberg und schließt
sich dem offiziellen Gutachten an. Handlungsdruck bescheinigt er
dem schon vorhandenen Lärmproblem: "Den bisher schon
vorhandenen Lärm haben die Buchforster (...) viel zu lange
ertragen! Das sollte nicht länger akzeptiert werden. Daher
brauchen wir hier schnell wirksame Maßnahmen", so
Tücks, der für "Flüsterasphalt" zur
Lärmverminderung plädiert. Unerwartete Unterstützung
findet Boris Sieverts, Initiator der Bürgeraktion, bei
Dr.Thomas Portz, Fraktionsvorsitzender der CDU in der
Bezirksvertretung. Sieverts hatte das Dach der Messehallen als
Alternativstandort vorgeschlagen: "Die Prüfung eines
Landeplatzes auf dem Dach der Messehallen halte ich für eine
gute Idee, schade, dass ich nicht selber darauf gekommen bin ,
bestätigt Portz. Ansonsten betont er: "Die CDU in der
Bezirksvertretung Mülheim war von Anfang an gegen den
Hubschrauberlandeplatz in Buchforst und ist es auch weiterhin. Ich
glaube nicht, dass die angeblichen Vorteile des Standortes für
Köln den Verlust der Lebensqualität in Buchforst
ausgleicht, zumal diese vermeintlichen Vorteile auch nicht
schlüssig nachgewiesen werden konnten."
Günter Hermkes-Ulke von der Fraktion Bündnis 90/ Die
Grünen, die sich bei der Abstimmung enthielt, kritisiert die
mangelnde Suche nach Alternativen und hält den Kalkberg
für eine schlechte Option: "Dem Verwaltungsvorschlag
Kalkberg hätten wir uns in der BV möglicherweise
angeschlossen, wenn erkennbar gewesen wäre, dass weiterhin
nach einem besser geeigneten Platz gesucht wird. Da dies aber
erklärtermaßen nicht mehr erfolgen soll und unsere zu
prüfenden -neuen- Alternativen mündlich von Herrn Kahlen
abgelehnt wurden, haben wir uns bei der Abstimmung enthalten."
Auch Hermkes-Ulke fordert Lärmschutz und ein Nachtflugverbot.
Anders sieht es im Stadtbezirk Kalk aus, wo die Vorlage gegen die
Stimmen von Bündnis 90/ Die Grünen, Die Linke und pro
Köln verabschiedet wurde. Auf die Frage, ob sich der Kalkberg
angesichts der Proteste zu einem neuen "Stuttgart 21"
entwickeln könnte, räumt der Kalker
Bezirksbürgermeister Markus Thiele zwar
"Bauchschmerzen" angesichts der Altlasten auf dem
Kalkberg ein, steht aber hinter der Entscheidung: "Hier wurden
die Diskussionen sehr transparent und offen geführt. Wir sind
am Ende eines demokratisch legitimierten Prozesses. Wenn jede
Entscheidung eines Stadtrats wieder zurückgenommen werden
muss, weiß ich nicht wie ein Gemeinwesen noch funktionieren
soll."
"Ich sehe zwar, dass es noch Widerstand gibt",
bestätigt der Kalker CDU-Fraktionsvorsitzender Jürgen
Schuiszill, betont jedoch: "aus Sicht der CDU-Fraktion ist
dies richtig entschieden". Auch Schuiszill stellt sich hinter
den ersten Ratsbeschluss von 2005: "Die Proteste kommen zu
spät. Die Entscheidung von 2005 war richtig, jetzt
wünschen wir uns, dass die Umsetzung zügig kommt. Wenn
sich ein Prozess über so viele Jahre hinweg zieht, ist dies
dem Bürger schwer zu vermitteln." Trotzdem gibt sich
Schuiszill zuversichtlich: "Auch gegen den Flughafen gab es
damals Protest." Konfrontiert mit der Aussage eines Initiators
gegen die Hubschrauberstation, die Kalker Bezirksvertreter
"wohnen alle in Brück und Rath und interessieren sich
nicht dafür", erwiderte Schuiszill: "Ich wohne in
Neubrück und kenne den Hubschrauber noch aus Merheim",
und appelliert an die Bürger, die Gesamtsituation der Stadt zu
sehen.

